Highguard-Website wird angesichts der Kontroverse um Tencent nicht mehr angezeigt
- Die Website von Highguard wurde offline genommen, nachdem Behauptungen aufgetaucht waren, das Unternehmen werde heimlich von Tencent finanziert – eine Angelegenheit, zu der sich Wildlight Entertainment bislang nicht geäußert hat.
- Das Studio hat kürzlich den Großteil seiner Belegschaft entlassen, was Befürchtungen schürt, dass das Spiel eingestellt werden könnte.
- Manche vergleichen den holprigen Start mit dem von „Splitgate 2“ und vermuten, dass ein Neustart die einzige Hoffnung sein könnte.
Die Website des angeschlagenen Live-Service-Shooters „Highguard“ wurde mit der Meldung „Site Unavailable“ abgeschaltet, nachdem kürzlich Vorwürfe laut wurden, das Spiel sei heimlich vom chinesischen Gaming-Konzern Tencent finanziert worden. Der Entwickler und Publisher Wildlight Entertainment hatte nach der Veröffentlichung des Spiels am 26. Januar immer wieder betont, dass es sich um ein eigenfinanziertes und unabhängiges Projekt handele. Zu diesen neuen Vorwürfen hüllt sich Wildlight jedoch weiterhin in Schweigen.
Der letzte Beitrag von Wildlight in den sozialen Medien war die Bekanntgabe, dass das Unternehmen nur zwei Wochen nach dem Start den Großteil seiner Belegschaft entlassen würde. Zuvor hatte es Patch-Hinweise und einen 5v5-Modus angekündigt. Was die Behauptung bezüglich der Finanzierung durch Tencent angeht, so wurde darüber von Game File berichtet, allerdings mit dem Vorbehalt, dass die Informationen von „mit der Angelegenheit vertrauten Quellen“ stammten.
Wildlight war außerdem damit beschäftigt, den offiziellen YouTube-Kanal von Highguard mit entsprechenden Spielinhalten zu füllen, darunter neue Charaktere, neue Kosmetikgegenstände und neue Karten, die zudem die Spielwelt weiter vertiefen. Die Kommentare der Spieler zu vielen dieser Videos drehen sich erwartungsgemäß um Anspielungen auf Concord, weisen aber auch darauf hin, dass die neuen Inhalte um Längen besser aussehen als das, womit das Spiel ursprünglich auf den Markt kam.
„Dieser Trailer zur Kartenvorstellung hätte bei den Game Awards für Furore gesorgt. Buchstäblich jeder Trailer seit der Veröffentlichung des Spiels wäre 1.000 % besser gewesen und hätte bei den Spielern einen besseren Eindruck hinterlassen als der Action-Trailer, den sie gezeigt haben“, lautet ein aktueller Kommentar.
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PvP „Jeder gegen jeden“
Da es von keiner Seite konkrete Informationen gibt, werten die Spieler das Schweigen von Tencent und Wildlight als Schuldeingeständnis. Da zudem die Highguard-Website derzeit offline ist, fällt es den Leuten schwer, nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen und selbstgefällig zu sagen: „Ich hab’s doch gesagt.“
Auf dem Discord-Kanal von Highguard tobt derzeit ein heftiger Streit zwischen Spielern, die das Spiel mal heftig kritisieren und mal verteidigen, wobei gelegentlich ein paar vereinzelte Kommentare aus dem Trubel hervorstechen, etwa in der Art von „Irgendwie verrückt, dass ich dem Discord-Kanal beigetreten bin, um Neuigkeiten zur Website zu erfahren und vielleicht etwas über einen zukünftigen Patch zu hören, und trotzdem an Leuten vorbeiscrollen musste, die aus irgendeinem Grund hier auf den Tod des Spiels tanzen, während ich es einfach nur weiter genießen möchte.“
Inmitten all dessen gibt es in den sozialen Medien und an Orten wie den Steam-Diskussionen eine berechtigte Sorge: Bedeutet das alles, dass das Spiel tatsächlich eingestellt wird? Die Hoffnung ist, dass Wildlight nach den Entlassungsmeldungen lediglich hinter den Kulissen die Infrastruktur des Spiels umstrukturiert, auch wenn das Funkstille nach wie vor schwer zu ignorieren ist.
Einstellung oder Neustart?
In einem Polygon-Interview Anfang Februar sprachen verschiedene Führungskräfte von Wildlight, darunter Mitbegründer Chad Grenier, über ihre Hoffnungen für die Zukunft von „Highguard“ sowie über ihre Enttäuschung darüber, dass das Spiel von den Spielern nicht mit offenen Armen empfangen worden war.
Um dieser negativen Stimmung entgegenzuwirken, sagte Grenier: „Ob es nun tausend oder hundert Millionen Spieler sind, spielt keine Rolle. Was am wichtigsten ist, ist, dass das Spiel von den Leuten geliebt wird, die es gespielt haben.“

Er ist weder der erste Studioleiter, der davon ausgeht, dass sein Spiel gut ankommen und die Branche im Sturm erobern wird, noch der erste, der seine Worte zurücknehmen muss, da die Reaktionen der Spieler drastisch hinter den Erwartungen zurückbleiben; Letztes Jahr musste 1047 Games eine bittere Pille schlucken, nachdem Studioleiter Ian Proloux beim Summer Game Fest auf die Bühne trat und behauptete, das damals noch bevorstehende „Splitgate 2“ werde „Call of Duty“ faktisch übertrumpfen.
Zu seiner Ehre muss man jedoch sagen, dass 1047 Games „Splitgate 2“ nach einem enttäuschenden Start aus den Shops genommen und im Dezember als „Splitgate: Arena Reloaded“ neu auf den Markt gebracht hat; das Spiel verzeichnet nun – zumindest auf dem PC – einen stabilen Durchschnitt von 900 Spielern pro Woche. „Highguard“ liegt derzeit auf dem PC im Durchschnitt knapp darüber, verliert jedoch – und das ist entscheidend – seit dem Start massiv Spieler.
Greniers Äußerungen stehen zudem im krassen Gegensatz zu echten Indie-Spielestudios wie Digital CyberCherries („Don’t Scream Together“, „Hypercharged: Unboxed“), die eine ähnliche Philosophie verfolgen: „Es spielt keine Rolle, wie viele Spieler wir haben, solange ihnen das Spiel Spaß macht.“ Der Unterschied besteht darin, dass DCC Probleme mit seinen Spielen sehr offen angesprochen und die Community frühzeitig in die Behebung der Fehler einbezogen hat.
Wie – oder ob überhaupt – Wildlight Entertainment diese aktuelle Krise überstehen kann, bleibt abzuwarten. Wenn das Unternehmen sich ein Beispiel an 1047 Games nehmen und einen Neustart wagen will, könnte „Highguard“ bei treuen Spielern wieder mehr Wertschätzung erfahren. Andernfalls sollte Grenier vielleicht einen Blick auf den anhaltenden Erfolg des Konkurrenten Embark Studios mit dessen Live-Service-Titel „ARC Raiders“ werfen. Dieser weist alle Merkmale anderer Online-Shooter auf, verzichtet jedoch auf ein Free-to-Play-Modell zugunsten eines Preises von 40 US-Dollar sowie kosmetischer Mikrotransaktionen. Oder vielleicht ist es für „Highguard“ tatsächlich schon zu spät, und es handelt sich wirklich um eine neue warnende Geschichte nach dem Vorbild von „Concord“.
